Der Nachweis von Fachkompetenzen kann nur bedingt über die Selbstevaluation der SchülerInnen geleistet werden.

Er bedarf einer Vorgabe, die möglichst viele Fachkompetenzen aufführt und an der die Jugendlichen sich orientieren können. Schreiben SchülerInnen ohne diese Hilfe über ihr Fach, wird oft die Motivation, der Bezug zum Fach oder die Auseinandersetzung mit dem Lernen in diesem Fach der Jugendlichen deutlich, nicht aber die Fachkompetenzen.

Damit schulisch erworbene Kompetenzen nachgewiesen werden können, muss zunächst für jedes Fach oder Projekt eine Auflistung der im besten Fall zu erreichenden Kompetenzen aufgestellt werden.

Außerdem muss beschrieben werden, wie der Lehrer / der Projektleiter zu seiner Wahrnehmung gekommen ist.

Ist dieser Schritt getan, können SchülerInnen und LehrerInnen jeweils prüfen, welche Kompetenzen im Einzelfall wirklich gezeigt wurden.

Dazu sollte mit den Schülern zunächst besprochen werden, was sich hinter den Kompetenzbegriffen verbirgt.

Im Idealfall ist die Liste deckungsgleich. Wenn das nicht der Fall ist, setzen sich SchülerIn und LehrerIn zusammen und besprechen die unterschiedliche Einschätzung.

Das fertige Produkt wird entweder vom Lehrer unterschrieben und mit dem Schulstempel versehen. Die Schüler legen den Nachweis in einer Mappe ab, die sie über die gesamte Oberstufenzeit führen.

Die Fachkompetenzen können aber auch im dialogischen Verfahren auf Dokumentationsbogen dokumentiert werden. Der Lehrer schreibt basierend auf der Dokumentation das Fachzeugnis, zum Beispiel in Klasse 12. 

(Angelika Scharpey 2011)

1. Realistisches und stärkenorientiertes Selbstbild gewinnen

Für den Jugendlichen macht der Kompetenznachweis seinen Lernfortschritt in einem Projekt oder einem Fach sichtbar. Er kann ein realistisches und stärkenorientiertes Bild von seinen im Unterricht gezeigten Fähigkeiten erwerben.

2. Anerkennung von Leistungen in allen Fächern erhalten

Die Fächer unterscheiden sich durch den Kompetenznachweis in der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen nicht mehr nur dadurch, ob sie abschlussrelevant sind oder nicht oder ob ein persönliches Interesse des Jugendlichen besteht. Das ist in den letzten Jahren durch die Teilzentralen Prüfungen sehr stark der Fall geworden, denn SchülerInnen machten die Erfahrung in den entsprechenden Unterrichtsfächern, dass nur die Prüfung zählt, die restliche Leistung jedoch verloren geht. Das hatte in Klasse 12 oft ein unmotiviertes Arbeiten in den Nicht-Abiturfächern zur Folge. Für die Schüler war der Sinn der Unterrichte nicht mehr erkennbar und Werte, wie Allgemeinbildung oder Überblick erwiesen sich als zu fern der Lebenswirklichkeit der SchülerInnen. Hier kann der Kompetenznachweis den Jugendlichen eine Hilfe sein.

Angelika Scharpey 2011

Nachgewiesene Fachkompetenzen können zur Anerkennung gebracht werden.

Dazu erschien im Oktober 2011 ein Rundschreiben des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW:

"Sehr geehrte Damen und Herren, die Hochschulen des Landes Nordrhein-Wstfalen stehen vor der Aufgabe zu entscheiden, ob und inwieweit Kompetenzen, die Studierende mit beruflicher Hochschulzugangsberechtigung außerhalb des Hochschulstudiums erworben haben, anzurechnen sind, § 63 Absatz 2 Satz 3 Hochschulgesetzt HG.

Dabei ergab sich die Frage, ob Qualifikationen, die zum Hochschulzugang führen, gleichzeitig als Leistungen innerhalb des Studiums angerechnet werden können. Die Frage war also, ob insoweit eine Doppelverwertung in Betracht kommt. Diese Frage ist durchweg zu bejahen. Eine derartige Doppelverwertung ist nicht nur zulässig, sondern ggf. - auf Antrag - sogar erforderlich.

Dies ergibt sich aus der bloßen Überlegung, dass es Studierenden nicht zugemutet werden darf, bereits vorhandens Wissen nochmals erwerben zu müssen. In rechtlichen Begriffen bedeutet das: Studierenden Leistungsnachweise abzuverlangen stellt einen Eingriff in die Berufsfreiheit gemäß Artikel 12 Absatz 1 Grundgesetz (GG) dar. Ein solcher Eingriff ist nur gerechtfertigt, wenn er zur Erreichung des Ziels - Erreichung der Qualifikation -  erforderlich ist.

Es ist nicht erforderlich und daher nicht zulässig von Studierenden zu verlangen bereits vorhandene Qualifikationen nochmals nachzuweisen. Daher sind die Hochschulen bei Ausübung ihres Ermessens ("kann" durch Artikel 12 Absatz 1 GG gebunden. Letztere Norm kann dazu führen, dass die Hochschulen zur Anrechnung verpflichtet sind.

Das gilt nicht nur für den Bereich von Studierenden, die ihre Hochschulzulassungsberechtigung aufgrund beruflicher Qualifikation erworben haben. Vielmehr gilt dies auch für Studierende, die mit einer schulischen Hochschulzugangsberechtigung an die Hochschule gekommen sind.

Die schulische Hochschulzugangsberechtigung kann auf unterschiedliche Weise, insbesondere mit unterschiedlichen Abiturfächern erworben werden. Sie sagt aus, dass die Studienbewerberin oder der Studienbewerber generell für ein Hochschulstudium geeignet ist. Wenn die Studienbewerberin oder der Studienbewerber darüber hinaus in der Schule oder anderswo außerhalb des Hochschulwesens Qualifikationen erworben hat, die einzeln im Studium nachzuweisenden Leistungen gleichwertig sind, werden diese wegen Artikel 12 Absatz 1 GG im Wege von § 63 Absatz 2 Satz 3 HG anzurechnen sein."

Diese Nachweise eignen sich für Schüler, die in dem Fach besondere Leistungen sichtbar machen möchten. Für eine komplette Klasse ist das Verfahren zu aufwändig.

HANDWERK

Zu jedem Unterrichtsfach wurde ein bereits vorhandener Kompetenzkatalog gesucht, der dann zunächst auf die unterrichtlichen Möglichkeiten hin gekürzt oder aber auch ergänzt werden muss. In einem zweiten Schritt muss für jeden Schüler festgestellt werden, welche Kompetenzen dieser Schüler im Verlauf des Unterrichtes gezeigt hat. Ein Foto des Werkstücks kann für den Abnehmer hilfreich sein. Die SchülerInnen haben die Möglichkeit einen Rückblick auf ihre Arbeit anzufügen.

Schreinern Vorlage für eigene Kompetenznachweise 

Schneidern Vorlage für einen Kompetenznachweis im Fach Schneidern

Töpfern Vorlage für einen Kompetenznachweis im Fach Töpfern

Metalltreiben Vorlage für einen Kompetenznachweis im Fach Metalltreiben

Kochen Vorlage für einen Kompetenznachweis im Fach Kochen

NATURWISSENWSCHAFTEN

Biologie Vorlagen für einen Kompetenznachweis im Fach Biologie,

MATHEMATIK UND ÄHNLICHE FÄCHER

Darstellende Geometrie Vorlage für das Fach Darstellende Geometrie (als Grundlage diente http://www.bildung-staerkt-menschen.de/unterstuetzung/schularten/Gym/bildungsstandards)

Feldmesspraktikum Vorlage für das Fach Feldmessen (als Grundlage diente der R A H M E N L E H R P L A N für den Ausbildungsberuf Vermessungstechniker/Vermessungstechnikerin (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 25.03.2010, http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Bildung/BeruflicheBildung/rlp/Vermessungstechniker10-03-25-E.pdf)

 

GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTEN


Erdkunde Vorlage für ein Kompetenznachweis im Fach Erdkunde

SPRACHEN


Literatur und Theater
Vorlage für einen Kompetenznachweis Literatur und Theater 

Sollen Zeugnisse durch Kompetenzdokumentationen hinterlegt werden kann das durch Leistungsdokumentationen für Schüler geschehen, die in Schülerhand sind. Der Lehrer bestätigt durch seine Unterschrift das vom Schüler behauptete und nutzt die Leistungsdokumentation zum Schreiben seines Zeugnisses. Eine Leistungsdokumentation belegt einen Zeugnistext. Die Dokumentation wurde während des Schuljahres vom Schüler geführt und die Eintragungen vom Lehrer bestätigt oder bei Differenzen mit dem Schüler besprochen.

Leistungsdokumentationsbogen im Fach Biologie Klasse 12

Ein entsprechendes Zeugnis sieht dann z.B. so aus:

xxx beteiligte sich in allen Unterrichtsstunden aktiv am Unterrichtsgespräch und wirkte tragend in den Arbeitsgruppen mit. Er konnte mit Fachwissen auf allen Ebenen umgehen, den Transfer stets leisten und Hypothesen nachvollziehbar erstellen. xxx konnte ebenfalls auf allen Ebenen Erkenntnisse gewinnen, Dokumentieren, Recherchieren, Präsentieren und Argumentieren. In der Kommunikation zeigte XXX klare Strukturen und war adressatenbezogen. Er konnte begründet die Möglichkeiten und Grenzen biologischer Problemlösungen und Sichtweisen bei innerfachlichen, naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen bewerten. Diese Leistungen zeigte er sowohl schriftlich wie auch mündlich. Es gelang xxx die einzelnen Gebiete der Biologie miteinander zu verknüpfen. xxx half häufiger Mitschülern, indem er komplexe Sachverhalte erklärte.

Note: Sehr gut

XXX beteiligte sich in fast allen Unterrichtsstunden aktiv am Unterrichtsgespräch und wirkte tragend in den Arbeitsgruppen mit. Sie konnte den Transfer stets leisten und Hypothesen nachvollziehbar erstellen. XXX konnte mit Fachwissen umgehen. Sie konnte wiedergeben, auswählen und systematisieren und vernetzen. Erkenntnisse gewann sie in erster Linie durch die Auswertung von Daten oder durch Modelle. Sie beherrschte die Dokumentation und Präsentation. In der Kommunikation zeigte sie klare Strukturen und war weitgehend adressatenbezogen. Bei Bewertungen konnte XXX in erster Linie Kriterien erkennen und Kontroversen differenziert darstellen sowie Entscheidungen auf der Sachebene vertreten. Diese Leistungen zeigte XXX sowohl schriftlich wie auch mündlich.

Note: gut